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Nach acht Stunden Autofahrt kommen wir an unserem Zwischenstopp an: Ein Campingplatz direkt am Fluss in einem kleinen burgundischen Dörfchen namens Ounans. Nur noch zwei Tage ist dieses idyllische Fleckchen im Grünen geöffnet. Neben einer Handvoll Wohnmobilen sind wir die einzigen Camper, die noch so spät in der Saison im Zelt übernachten.

Der Spätsommer geht in den Herbst über, die Bäume am Flussufer färben sich langsam goldbraun und wir bauen unser Lager auf den zu Boden gefallenen Blättern auf. Am Wasser wird es bereits am frühen Abend kühl und feucht. Im Zelt fühlt sich der Schlafsack leicht klamm an. Es ist Samstag und mitten in der Nacht dröhnt laute Musik und ich frage mich halb im Schlaf warum die kleinsten Dörfer die lautesten Dorfdiskos betreiben müssen.

Camping Ounans

Camping Ounans

Camping Ounans

Camping Ounans

Nach der kalten Nacht tut die Morgensonne gut! Wir haben aber nicht unendlich Zeit, uns zu wärmen, denn die erste Aufgabe des Tages besteht darin, frisches Baguette in Ounans zu finden, da der Campingplatz Brot nur in der Hauptsaison verkauft. Wir finden einen Käseladen und treffen auf Unverständnis als wir die Käsefachverkäuferin nach Brot fragen. „Hier gibt’s Käse, kein Brot!“ Käse haben wir gestern schon reichlich gekauft. Jetzt möchten wir knuspriges Weißbrot für unser romantisches Frühstück am Fluss. Madame schickt uns also wieder zurück zum Dorfplatz wo es anscheinend einen Laden gibt und wir werden tatsächlich fündig.

Ounans Frankreich

Ounans Frankreich Baguette

Im Laufe des Tages machen wir einen Abstecher nach Dijon – ein süßes, kleines Städtchen mit unzähligen Senf-Läden.

Dijon Frankreich

Dijon Frankreich

Dijon Frankreich

Dijon Frankreich

Dijon Frankreich

Dijon Frankreich

Nach einer zweiten, regnerischen Herbstnacht im Zelt beschließen wir in Zukunft nur noch im Sommer oder Frühsommer zu campen. Wir werden mit dem Alter eben gemütlich.

Vor uns liegt eine 4-Stunden Autofahrt in den Süden. Unser Ziel heisst Séguret im Norden der Provence. Als wir die ersten Festungsdörfer auf steil emporragenden Hügeln entdecken, wissen wir, dass unser Feriendomizil nicht mehr so weit weg sein kann. An der Landstraße sind etliche Schilder aufgestellt, die mal Ölmühlen, mal Wein anpreisen und zum Probieren einladen. Unser Navi kommt mit der Adresse nicht zurecht, denn die freundliche Dame sagt „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ als wir direkt neben einem Meer von Weinstöcken zum Stehen kommen. Also versuchen wir es mit den GEO-Koordinaten, die uns der Besitzer der Ferienwohnung vorsorglich mitgegeben hat.
Wir halten neben einer 100 Meter langen Baumallee, die zu einem Schlösschen führt. Am Straßenrand steht „Château Jonquier Séguret“. „Kann es das sein?“ Ich bin ein wenig überwältigt von dem Zauber dieses Anwesens und hoffe gleichzeitig, dass wir hier tatsächlich bleiben dürfen.

Chateau Jonquier Seguret

Chateau Jonquier Seguret

Chateau Jonquier Seguret

Ich laufe einmal ums Haus und entdecke ein wenig abseits, versteckt hinter Hecken einen Seitentrakt, und erkenne den runden Tisch vor der weißen Tür und den beigen Steinmauern – ich erinnere mich an die Fotos, die wir vor einigen Monaten im Internet entdeckt hatten und rufe voller Freude: „DAS IST ES!“ Wir haben unser kleines Schlösschen gefunden! Mir geht das Herz auf. Schon seit langem wollte ich in einem solch zauberhaft hübschen, französischen Steinhaus wohnen, zumindest ein paar Tage lang.

Chateau Jonquier Seguret

Maschinen rattern. Wir läuten das Glöckchen, das an dem großen eisernen Tor befestigt ist. Zuerst sachte, dann stärker. Es ist Erntezeit und alle Bewohner dieses Paradieses sind auf den Feldern und arbeiten. Also rufen wir den Hausherrn, Frédéric Desplans an. Nach fünf Minuten kommt er auf einem Traktor angefahren und empfängt uns mit einem strahlend weissen Lächeln.

Die Sonne steht tief und unser Schlossgarten wirkt surreal geheimnisvoll. Wir können unser Glück, diesen Ort gefunden zu haben, kaum fassen. Das Leben ist schön!

Chateau Jonquier Seguret

Chateau Jonquier Seguret

Am nächsten Tag besuchen wir den Markt in Vaison-la-Romaine, den größte in der Gegend. Die Gassen sind durchflutet mit Ständen und Menschen. Wir kaufen kräftigen Käse, fünf Sorten Salami, Lavendel- und Thymianhonig, frische Feigen, provenzalischen Knoblauch, Rotwein und – weil es schon zu unserer Reisetradition gehört und der Verkäufer so charmant ist – farbenfrohe Glasohrringe.

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Vaison La Romaine Markt Frankreich

Jean-Claude, unser Nachbar, der seit zig Jahren für Frédéric arbeitet, lädt uns abends zu einem Glas Rotwein ein. Und zum Pétanque spielen. Es bleibt natürlich nicht bei einem Glas Wein. Je mehr ich trinke, desto sicherer wird mein Wurf. Also wird die zweite Flasche geholt. J-C tischt uns einen unvergesslichen Rotwein aus der Gegend auf und wir machen es uns am nächsten Tag zur Aufgabe, dieses Weingenie zu finden und sind tatsächlich dank Google und Maps erfolgreich. Wir haben Glück. Den Wein der „alten Reben“ von 2011 gibt es noch und wir packen eine Kiste davon für zuhause ein.

Chateau Jonquier Seguret

Chateau Jonquier Seguret

Petanque Chateau Jonquier Seguret

Petanque Chateau Jonquier Seguret

Frédéric führt uns an einem Abend durch seine technische Weinanlage, die sein Großvater 1911 gebaut hat. Er erklärt uns voller Begeisterung, wie er die Weintrauben verarbeitet und mit welch Leidenschaft er seit 2014 seinen eigenen Wein herstellt. Auch von ihm nehmen wir nach einer kleinen Verkostung ein paar Flaschen Rotwein mit und fragen uns, wie wir all die feinen Sachen, die wir mittlerweile gekauft haben, in unser Auto gepackt bekommen. 🙂

Petanque Chateau Jonquier Seguret

Petanque Chateau Jonquier Seguret

Petanque Chateau Jonquier Seguret

Die Gegend um Mont Ventoux und Luberon mit seinen kleinen Dörfern ist bezaubernd. Jeden Tag machen wir einen kleine Tour und entdecken die uralten Ortschaften. Viele sind mittelalterlich, steinig und malerisch. Wir schlendern durch die schmalen Gassen und freuen uns, dass in der Nebensaison die Touristenschwärme ausbleiben.

Séguret

Seguret Frankreich

Seguret Frankreich

Seguret Frankreich

Seguret Frankreich

Seguret Frankreich

Vaison-la-Romaine

Vaison La Romaine Frankreich

Vaison La Romaine Frankreich

Avignon

Avignon

Fontaine-de-Vaucluse

Isle Sur La Sorgue France

Isle Sur La Sorgue France

Gordes

Frankreich

 

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